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Momente und Ereignisse – Dokumentarfotografie – Schnappschüsse mit der Kodak-Box, 1895

Schnappschüsse aus der Kodak-Box, um 1895

So faszinierend die Fotografie und ihre Möglichkeiten auch waren, die meisten Menschen konnten sich diese Technik nicht zunutze machen. Die Kamerapreise waren für den Durchschnittsverdiener viel zu hoch. Außerdem fehlte es an technischem Wissen und praktischer Erfahrung, um einen fertigen Abzug herstellen zu können. Die Anwendung des neuen Mediums blieb somit Berufsfotografen vorbehalten oder in Einzelfällen wohlhabenden Amateuren, die genügend Geschick und praktische Kenntnisse in Chemie besaßen. Dies alles galt, bis George Eastman, ein Bankangestellter aus Rochester im US-Staat New York im Herbst 1888, sein Kodak System vorstellte. Hierzu gehörte neben der kleinen Rollfilmkamera, die er »Kodak« nannte, ein Entwicklungs- und Kopierdienst. Mit dem Slogan: »Sie drücken den Knopf – wir machen den Rest« begründete er ein Hobby für Abermillionen. Der Fotograf zog nur noch an der Schnur, um den Verschluß zu spannen, drückte auf den Auslöser, um die Aufnahme zu machen, und drehte an einer Kurbel, um den Film weiterzuspulen. Waren alle 100 Aufnahmen belichtet, schickte man die Kamera an Eastmans Bilderfabrik. Hier wurde der Film herausgenommen, die Kamera neu geladen und unverzüglich an den Kunden zurückgesandt. Die entwickelten Negative folgten zusammen mit den 6,5 cm großen, auf Karton aufgezogenen Fotos.

160 Begegnung auf der Johannisstraße, W. Piepmeyer, um 1895, Ø 4,2 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Kennepohl)

Diese Bilder waren alle rund, da das einfache Weitwinkelobjektiv der Kamera in den Ecken nicht scharf zeichnete und Eastman dieses Problem durch eine runde Bildmaskierung löste. Der Preis dieser ersten Kodak belief sich einschließlich des Filmmaterials auf 25 Dollar, dafür mußte ein Fabrikarbeiter zweieinhalb Wochen arbeiten. Von einem Massenmarkt konnte anfangs also noch nicht die Rede sein. Erst im Jahr 1900, mit der Kodak-Brownie für einen Dollar und einer Rolle Film für sechs Abzüge für 15 Cent, einer Kamera, die Eastman eigentlich für Kinder konzipiert hatte, gelang der ganz große Durchbruch.

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161 Vor der Johanniskirche, W. Piepmeyer, um 1895, Ø 4,2 cm, (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Striedelmeyer)

Nur sehr vereinzelt lassen sich die charakteristischen runden Bildchen im Osnabrücker Raum nachweisen. Einer der ersten, die eine »Kodak« besaßen, war wohl Heinrich Piepmeyer, ein Osnabrücker Kaufmann, auf den im Kapitel „Blicke in das Osnabrücker Land“ näher eingegangen wird.

162 Pernickelmühle, W. Piepmeyer, um 1895, Ø 4,2 cm, (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Neue Osnabrücker Zeitung)
163 „Auf der Großen Straße“, Osnabrück, W. Piepmeyer, um 1895, Ø 4,2 cm (Medienzentrum Osnabrück)

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