Momente und Ereignisse – Dokumentarfotografie – Bau des Ankumer Doms, 1897 – 1900

Bau des Ankumer Doms, 1897 – 1900

»Gestern, am St. Aloisiusfeste, (…), entlud sich gegen 9.30 Uhr ein schweres Gewitter. Ein Blitzstrahl, ein mächtiger Knall und die Turmspitze war von dem selben entzündet. Rasch eilten, durch die Brandglocke gerufen, Feuerwehrleute auf den Turm und es gelang ihnen, den Brand an der unteren Stelle zu löschen. In die obere Spitze mit Wasser zu gelangen, war jedoch unmöglich und so bot sich in ganz kurzer Zeit das schreckliche Schauspiel dar, den Turm in vollen Flammen zu sehen. Die herabstürzenden Feuermassen regneten förmlich auf die Kirche und die beiden nächst gelegenen Gebäude, das Wohnhaus des Buchbinders Lohmann und des Küsters Möllenbrock. Ersteres, wie auch die Kirche, wurden vollständig eingeäschert.« (Nachrichten für den Kreis Bersenbrück, 24. Juni 1892)

155 Ankumer Kirche mit dem alten Marktplatz nach dem Brand am 21. Juni 1892, Lohmann, 1892 (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Heimat- u. Verkehrsverein Ankum)

Bereits vor dem Brand hatten auf Seiten der Kirchengemeinde Um- und Neubaupläne für die als zu klein erachtete Kirche bestanden. Die alte St.-Nikolauskirche gehörte jedoch zu den ältesten Kirchenbauten der Region. Sie wurde 1169 erstmals erwähnt und war ein besonders interessantes Zeugnis für die Architekturentwicklung von der frühesten Romanik bis in die Gotik hinein. Ein kulturhistorisch derartig bedeutsames Baudenkmal durfte nur mit ministerieller Genehmigung aus Berlin abgebrochen werden und so wurde der geplante Abbruch der Ruine am 16. September 1892 zunächst einmal verboten. Erst drei Jahre und etliche Gutachten später erteilte das Ministerium am 4. September 1895 die Abbruchgenehmigung. Noch im gleichen Jahr wurden diese Arbeiten durch die Firma Hollenbeck aus Bramsche vollendet . Nach Beendigung der Fundamentarbeiten konnte am 21. Juni 1897, dem fünften Jahrestag des Kirchenbrandes, der Grundstein der neuen Kirche gelegt werden. Noch im Sommer des gleichen Jahres wurden die sechs schweren Säulen des Hauptschiffes errichtet, auf denen die gesamten Lasten der Mauern und Gewölbe ruhen.

156 Bau der Ankumer St.-Nikolaus-Kirche, Maurerarbeiten am Hauptschiff, Lohmann, 1897 (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Heimat- u. Verkehrsverein Ankum)

Die einzelnen Teile dieser Säulen haben ein Gewicht von 7000 bis 8000 Pfund und wurden unter der persönlichen Aufsicht des Architekten Klomp, Hannover (Abb. 158, 2. von rechts) aufgerichtet.

157 Bau der Ankumer St.-Nikolaus-Kirche, Transport der Kapitelle, Lohmann, 1897, 10,7 x 15 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Heimat- u. Verkehrsverein Ankum)
158 Bau der Ankumer St.-Nikolaus-Kirche, Aufrichtung der Säulen im Hauptschiff, Lohmann, 1897 (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Heimat- u. Verkehrsverein Ankum)

Der rote Sandstein dies er Säulen aber auch des Mauerwerks der vier Vierungssäulen wurde per Schiff und Pferdefuhrwerk aus der Eifel herangeschafft. Die letzte Steigung bis auf den Kirchhügel war für die Pferdefuhrwerke jedoch nicht zu überwinden, und es waren umfangreiche Erdarbeiten nötig, um diese Teile an ihren vorbestimmten Platz zu transportieren (Abb. 157).

Exakt ein Jahr nach der Grundsteinlegung konnte mit dem Richten des Daches (Abb. 159) begonnen werden.

159 Bau der Ankumer St.-Nikolaus-Kirche, Ansicht von Beckers Stiege, Lohmann, 1898 (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Heimat- u. Verkehrsverein Ankum)

Noch im selben Herbst wurden neben den Zimmerer- und Dachdeckerarbeiten auch die Gewölbearbeiten vollendet. Ende 1899 waren im wesentlichen auch die Arbeiten im Innern der Kirche durchgeführt. Die erhalten gebliebenen drei Untergeschosse des alten Westturms wurden in den Turmbau eingegliedert. Die mit der Restaurierung und Aufstockung des Westturms verbundenen Maurer- und Zimmerarbeiten wurden im Frühjahr 1900 vollendet. Am 23. Oktober 1900 fand die offizielle Einweihung der neuen Kirche zu Ankum durch den damaligen Bischof Hubertus statt.

Permanentlink zu diesem Beitrag: https://www.medienzentrum-osnabrueck.de/momente-und-ereignisse-dokumentarfotografie-bau-des-ankumer-doms-1897-1900/