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Historisches Film und Fotoarchiv

Medienzentrum Osnabrück – Historisches Film- und Fotoarchiv

Landeskundliche und kulturhistorische Foto- und Filmdokumente aus der Osnabrücker Region

 

Die Geschichte der Sammlung beginnt 1986 mit 1.500 Fotos und Dias aus der frühen Bildstellenarbeit. Bereits seit den 20er Jahren bestand die Stadtbildstelle Osnabrück. Schon hier wurden Fotos zur Stadtgeschichte zu Diareihen für den Unterricht aufbereitet.  Amtliche Filmbildstellen wurden 1935 mit dem Aufkommen des Unterrichtsfilms eingerichtet und mit interessierten Lehrern besetzt. Das waren Fritz Frasch für die Kreisbildstelle Bersenbrück und Hans Hasekamp für die Kreisbildstelle Osnabrück. Beide waren auch fotografisch aktiv und dokumentierten Osnabrück und das Osnabrücker Land für den damaligen Heimatkundeunterricht und zahlreiche Veröffentlichungen. So entstand ein Fundus von Fotos und alten Dias, mit deren Archivierung und Dokumentation ich 1986 begann. Weitere Funde im Keller des Medienzentrums und ein alter, vergessener Diaschrank kamen hinzu. Durch die kontinuierliche Arbeit und regelmäßige Veröffentlichungen wurden weitere Sammlungen an das Fotoarchiv herangetragen. 1989 kam es dann zum Ankauf des Fotografennachlasses Harms. Des Umfang des Archivs hatte sich inzwischen auf 8500 Fotos, 9000 Dias, 2000 Stereo-Dias und 12.000 Negative erweitert. Kontinuierlich wurde weitergesammelt. Im Hinblick auf eine geplante Ausstellung erfolgte eine Kontaktaufnahme mit privaten Sammlern, Heimatvereinen und Institutionen, sowie den regionalen Museen. Dieser Austausch verschaffte einen ersten Überblick über das bisher in der Osnabrücker Region gesammelte Fotomaterial. Überörtlich relevante Fotos wurden reproduziert und mit Hinweis auf die vor Ort verbleibenden Originale im Bildarchiv gesichert. 1993 rief das Medienzentrum dann in einem Zeitungsartikel zu einer Sammelaktion „Fotogeschichte des Osnabrück Landes“ auf. Zahllose Hausbesuche und Fotoalben-Sichtungen später und nach einer längeren Phase der Reproduktion und Archivierung des Materials begann ich 1994 mit der Konzeption der Wanderausstellung und des zugehörigen Katalogs „Getreuer noch, als wie im Spiegel…“ Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Osnabrücker Landes in alten Fotografien 1840 – 1918. Die frühesten erhaltenen Fotos aus der Osnabrücker Region sind ausnahmslos Portrait-Fotografien der ersten reisenden Daguerreotypisten, die in Osnabrück Station machten. Den frühen fotografischen Verfahren widmet sich dann auch der erste Teil der Ausstellung. Weiter geht es dann mit den Arbeitswelten, auf dem Lande, Gewerbe und altes Handwerk und der frühen Industrialisierung. Es folgen Fotos zu den Wohnverhältnissen der damaligen Zeit, vom bäuerlichen Wohnen über die Arbeitersiedlung bis zu den Repräsentationsbauten des Bürgertums und des Adels. Die Verkehrsentwicklung von der Pferdekutsche zum Automobil wird nachgezeichnet, sowie die Erfolgsgeschichte der Eisenbahn und der Bau des Mittellandkanals dokumentiert. Der nächste Teil der Ausstellung handelt „von dem bisschen Vergnügen“, von Sonntagsausflügen und vom Feierabend, von Jahrmärkten, Kuraufenthalt, Sommerfrische und vom Vereinsleben. Dokumentarfotografien werfen Schlaglichter auf Momente und Ereignisse vom Abriss der Wälle in Osnabrück im Jahre 1876 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs 1918. Ein weiterer Teil der Ausstellung ist in dem Fotoalbum vorbehalten. Hierbei wird auch ein Blick auf die Entwicklung des Portraits von 1860 bis circa 1920 geworfen. Abschließend begegnet uns mit A.H. Heckmann der erste in Osnabrück ansässige Fotograf und exemplarisch werfen wir mit den 3 sehr unterschiedlichen Fotografen Lichtenberg, Piepmeyer und Sander „Blicke in das Osnabrücker Land“. Obwohl diese Zusammenstellung nur ein Zwischenergebnis sein konnte, bildete sie gleichzeitig  jedoch bereits den soliden Grundstein für eine Fotosammlung zu den kulturhistorisch wichtigen Themen in unserer Region.

Seitdem hat sich viel getan. Zahlreiche private Nachlässe bereicherten die Sammlung. Filmmaterialien aus der Region kamen als Sammlungsschwerpunkt hinzu. Der Fotobestand lag Ende 2011 bei ca. 150.000.

 

Archivsystematik

Mit Beginn der Archivierungsarbeiten musste zunächst eine Entscheidung über das Archivsystem fallen. Ein kleiner Teil der Hasekamp-Fotos war auf Karteikarten mit Kontaktabzügen erfasst. Nach eingehender Informationssammlung wurde dieses System verworfen und das Archiv ganz auf den schnellen Zugriff hin konzipiert. Dia- und Fotoschränke (senkrechte Lagerung in beschrifteten Archivpapierumschlägen) ermöglichen in den erschlossenen Beständen eine umgehende Auskunft über vorhandene Fotos. Das Archivierungssystem gliedert sich in die drei Hauptbereiche:

 

I.         Personen

            alphabetisch  –  Angaben:          Familienname, Vorname

Geburts – und Sterbedatum

Beruf etc.

Fotograf

Aufnahmeort u. – datum

II.        Topographie

Städte und Gemeinden der Region

1.        Allgemeine Stadtansichten

2.        Brücken

3.        Brunnen

4.        Denkmäler – Plastiken – Naturdenkmäler

5.        Friedhofsbauten

6.        Gaststätten – Hotels

7.        Gebäude – Gesundheit – Sport – Freizeit – Sozialeinrichtungen

8.        Gebäude – Kommune und Regierung

9.        Gebäude – Kultur und Bildung

10.      Gebäude – Wirtschaft und Industrie

11.      Gebäude – Wohn- und Geschäftshäuser

12.      Höfe

13.      Kirchen

14.      Landschaften

15.      Parks und Gartenanlagen

16.      Schlösser

17.      Seen und Flüsse

18.      Stadtteile

19.      Straßen und Plätze

20.      Tore und Türme

21.      Verkehr – Handel – Kommunikation

 

III.      Geschichte

chronologisch

 

Da die meisten Archivanfragen geografischer Natur waren, hatte der Bereich Topographie bei der Zuordnung der Fotos stets Vorrang. Alternative Zuordnungsmöglichkeiten wurden durch entsprechende Vermerke auf den Fotoumschlägen, bzw. entsprechende Verweiskarten berücksichtigt. Diese Archivsystematik wird auch in die Datenbanksuche der digitalisierten Archivbestände als Suchmaske übernommen, aber natürlich durch eine Freitextsuche ergänzt. Dadurch ist eine weitestmögliche Verzahnung der digitalisierten mit den analogen Beständen gewährleistet.

 

Sammlungsschwerpunkte

Die ältesten Fotos aus der Region Osnabrück wurden, wie oben bereits beschrieben, für die Ausstellung „Getreuer noch, als wie im Spiegel…“ zusammengetragen. Das Titelzitat stammt aus einem Gedicht von Hermann Nienhaus aus Quakenbrück, das er im Jahre 1877 nach einem Besuch beim Portraitfotografen verfasste. Die Fortsetzung der ersten Strophe lautet: „Entfaltet sich im Apparat ein Bild, der Gleichheit höchstes Siegel, So trefflich und so accurat“. Diese Fotos, bzw. deren Reproduktionen, denn die meisten wurden den Privatleihgebern natürlich zurückgegeben, bilden den Grundstock des Fotoarchivs und bilden die Alltagsgeschichte der Region bis zum Ende des 1. Weltkrieges ab. Die 20er Jahre sind überwiegend mit der Sammlung 8,5 x 10 cm großer Dias aus der ehem. Stadtbildstelle Osnabrück dokumentriert. Die Fotonachlässe der Lichtbildstellenleiter Frasch und Hasekamp, sowie der erste Teil des Nachlasses des Harms (s.o.) bilden die 30er und 40er mit der Zeit des Nationalsozialismus und des 2. Weltkrieges ab. Hinzu kommen zahlreiche Fotos aus kleineren Nachlässen und anderen Quellen für diese Zeit, die Bestandsaufnahme der Osnabrücker Altstadt um 1940 durch die städtische „Gebäudeschadenstelle bei Fliegerschäden“ und die Fotodokumentation der Fliegerschäden 1942 – 1945 durch die Stadtverwaltung Osnabrück. Die Nachkriegszeit ist in in Fotos aus dem 2. Teil des Nachlasses Harms für die Jahre 1949-51 und zahlreiche Fotos des Wiederaufbaus in den 50er Jahren aus unterschiedlichen Quellen dokumentiert. 1956 fanden die ersten Luftbildflüge nach dem 2. Weltkrieg durch die Hamburger Aero Lloyd statt. Die großen Negative dieser Aufnahmen von Osnabrück und einiger weiterer Gemeinden konnten für das Fotoarchiv gesichert werden und wurden in einem Bildband veröffentlicht. Der Nachlass Edgar Schröder enthält viele wertvolle Aufnahmen aus den Jahren 1950-90 und die an uns abgegebene Sammlung des Stadtplanungsamtes Osnabrück dokumentiert hervorragend die Altstadtsanierung in den 70er und 80er Jahren. Den zeitlichen Abschluss bildet vorerst die Dia- und Fotosammlung des Medienzentrums von den 60er Jahren bis heute, incl. meiner eigenen laufenden Fotoproduktion seit 1986.

 

Praktische Probleme bei der Erschließung

Das Archiv ist ganz auf den schnellen Zugriff hin konzipiert. Dia- und Fotoschränke (senkrechte Lagerung in beschrifteten Archivpapierumschlägen) mit o.a. Archivsystematik ermöglichen in den erschlossenen Beständen eine umgehende Auskunft über vorhandene Fotos. Problematischer sind „Baustellen“ wie der Harms- und der Schröder-Bestand. Das sind zahlreiche SW-Negativ-Ordner, die bisher nur über Kontaktbögen erschlossen sind. Personal-/Zeitmangel ermöglichten hier ab den 90er Jahren nur noch partielle Materialerschließung, (für Chroniken, Jubiläen, Ausstellungen und anderen Veröffentlichungen)

 

Digitalisierung – Ausblick

Qualitätsansprüche und die Finanzierbarkeit verhinderten bisher die Digitalisierung der Bestände im großen Maßstab. Zum Glück muss man aus heutiger Sicht sagen. Moderne Software ermöglicht HDR-Scans mit Infrarot-Stauberkennung-Funktion in einer Qualität und Auflösung, die eine digitale Sicherung historischer Fotos jetzt wirklich sinnvoll erscheinen lässt. Ähnlich wie bei der Digitalisierung von Filmmaterial werden in Zeiten der HD-Digitalisierung wesentlich bessere Ergebnisse erzielt.

Systematisch digital gesichert sind inzwischen die Bestände zur Frühgeschichte der Fotografie in der Region. Darüber hinaus sind natürlich punktuell die Bestände digitalisiert, die benötigt oder angefragt werden. Durch eine zusätzliche Halbtagskraft sind wir zur Zeit in der Lage, den Fotonachlass Hasekamp digital zu sichern. In einem zweiten Schritt sollen dieser Bestand, die Frühgeschichte der Fotografie und ausgewählte, häufig angefragte Bereiche und Themen in einer Datenbank mit Suchfunktion öffentlich einsehbar und bestellbar werden. Dafür müssen diese Fotos aber in die Datenbank eingepflegt und dokumentiert werden. Das ist zum Teil auch mit zeitintensiven Recherchearbeiten verbunden.

Die jahrelangen Renovierungsarbeiten an dem Schulgebäude, in dem wir untergebracht sind, war mit zahlreichen Umzügen innerhalb unserer Räumlichkeiten verbunden und dies ging häufig zu Lasten unseres Archivraums im Keller. Dessen Renovierung und Modernisierung ist für die Sommerferien geplant (- falls die Umbauarbeiten im Zusammenhang mit dem Raumtausch – Verleihraum – Schnittraum dies nicht unmöglich machen).

 

 

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