Frühe fotografische Verfahren – Salzbilder

Salzbilder

Die öffentliche Bekanntgabe der technischen Einzelheiten des Daguerreschen Verfahrens und die uneingeschränkte Freigabe seiner Nutzung am 19. August 1839 löste eine Vielzahl von Erfinderansprüchen aus. Die Fotohistoriker haben inzwischen nachgewiesen, daß die Fotografie schon vor 1839 bereits mehrfach erfunden worden war. Wie schon häufiger in der Geschichte von Naturwissenschaft und Technik hatten mehrere Personen unabhängig voneinander an dem gleichen Problem gearbeitet. Der Aufnahmeapparat, die Camera obscura, und die notwendigen chemischen Zusammenhänge waren ja bereits länger bekannt. Die parallel entwickelten fotografischen Verfahren unterschieden sich jedoch sowohl in der Art der Herstellung als auch in der Qualität der Ergebnisse von der Daguerreotypie.
Die wohl bedeutendsten fotografischen Ergebnisse neben der Daguerreotypie konnte der englische Privatgelehrte William Henry Fox Talbot (1800-1877) vorweisen. Ihm war es bereits 1835 gelungen, in einer Camera obscura ein lichtbeständiges Bild auf Chlorsilberpapier herzustellen. Er gab diesem Verfahren die Bezeichnung Kalotypie, die von den griechischen Worten kalos (schön) und typos (Druck) abgeleitet war. Im deutschen Sprachraum wurden diese Fotos Salzbilder genannt. Die große Bedeutung der Kalotypie liegt darin, das erste praktikable Negativ-Positiv-Verfahren darzustellen, das zur Grundlage aller in der Folgezeit entwickelten fotografischen Reproduktionsverfahren wurde. Gegen die Daguerreotypie konnte sich das Salzbild jedoch zunächst nicht durchsetzen. Da die Abzüge von einem Papiernegativ hergestellt wurden, erreichten sie niemals die Schärfe und Brillanz ihrer Konkurrenz. Gerade weil die Papierfotografie jedoch nicht mit unerbittlicher Genauigkeit abbildete, wie es die Daguerreotypie tat, öffnete sie sich für ästhetische, malerische Qualitätszuschreibungen. Da die Salzbilder größtenteils nur schwache Kontraste aufwiesen, wurden sie sehr häufig mit Kohle oder Tuschen übermalt bzw. koloriert. Die Wirkung dieser übermalten Bilder kommt eher einem Aquarell denn einer Fotografie nahe. Durch die starke Übermalung ist die zugrunde liegende Fotografie oft nur zu erahnen.
Wieder war es der Wanderphotograph Hünerjäger, der im August 1854 in Osnabrück erstmals auch Bilder auf Papier anbot. Damit ist zugleich der Zeitpunkt markiert, an dem die Papierfotografie beginnt, die Daguerreotypie zu verdrängen. Nachdem bereits 1847 erste Ergebnisse mit Glasnegativen erzielt worden waren, verbreitete sich ab 1851 das zukünftig übliche »nasse« Kollodium-Verfahren. In dieser Form sind wohl auch die hier gezeigten Bildnisse entstanden.

 5 Caroline Harms, geb. Schäfer (1840 – 1875), Borg ca. 1858, 29,4 x 34,5 cm, Salzbild

(Medienzentrum Osnabrück, Slg. zur Borg, Menslage)

Das Salzbild der Caroline Harms (Abb. 5), der Großmutter von Anny zur Borg, geb. Kogelberg ist zart mit Kohle überarbeitet und wurde in repräsentativer Größe für die Hängung an der Wand hergestellt. Die frontale Pose, der aufgestütze rechte Arm, Tisch und Topfpflanze bzw. ein anderes Requisit sind geradezu typisch für die Porträtfotografie der 1850er Jahre.
In dichter Gruppe Zusammengehörigkeit vermittelnd, so präsentiert sich die Familie Hoppe (Abb. 6) aus dem Wittlager Raum kurz nach 1860 dem Fotografen.

6 Familie Hoppe, Wittlage ca. 1860, 10 x 10 cm, Salzbild (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Wenning, Osnabrück)

Hinter der linken Frau mit dem Kind auf dem Schoß erkennt man den unvermeidlichen Kopfhalter, mit dem die Personen für die langen Belichtungszeiten fixiert wurden. Dieses Bild wurde offensichtlich nicht nachbehandelt.

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