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Die frühen Verfahren – Ambrotypien

Ambrotypien

Die Erfindung des Glasnegativs und des »nassen« Kollodium-Verfahrens 1851 brachte sozusagen als Nebenprodukt die Ambrotypie auf den Markt. Bei dieser Fototechnik wurde die Glasscheibe kurz vor der Aufnahme mit einer lichtempfindlichen Schicht versehen und später, noch im nassen Zustand, entwickelt. Waren diese Negative unterbelichtet, so erschienen sie in der Aufsicht positiv, wenn man einen dunklen Untergrund hinterlegte. Ambrotypien sind derartige, mit schwarzem Samt hinterlegte oder mit einer entsprechenden Lackschicht überzogene Negative. Gerahmt und präsentiert wurden sie genauso wie Daguerreotypien, die sie dann auch bald als preiswertere Alternative ablösten. Steif und ernst sitzt das Ehepaar Buchholz auf Abb. 7 nebeneinander.

7 Franciscus Matthias R. Buchholz und Frau Maria Agnes, geb. Thiele, (*21.11.1810) Kleidermacher und Neubürger in Grothe(Badbergen) ca. 1860, 7,4 x 9,3 cm Ambrotypie (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Göhmann, Osnabrück)

In dem Bewußtsein, getreu abgebildet zu werden, verharrte man ruhig, mehr oder weniger gelassen und ein wenig neugierig vor der Kamera. Der Kleidermacher Franciscus Buchholz hatte sich gleich nach seiner Heirat mit der Osnabrückerin Maria Thiele als Neubürger in Grothe (Badbergen) niedergelassen. Die folgenden Generationen der Familie führten das Geschäft als Glaser und Malermeister weiter.
Eine Variante der Ambrotypie war die Pannotypie. Hierbei wurde die Negativschicht von der Glasplatte abgelöst und auf ein schwarzes Wachstuch übertragen. Von dieser Technik sind nur wenige Stücke erhalten. Die Abbildungen 8 und 9 sind Beispiele für dieses Verfahren.

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8 Bildnis eines unbekannten Ehepaares, Osnabrück 1853/55 2,4 x 3 cm Pannotypie (Kästchengröße 4,6 x 5 cm)(Medienzentrum Osnabrück, Slg. Schuckmann, Badbergen)

Das Schmuckkästchen für die Pannotypie des unbekannten Ehepaares (Abb. 8) hat noch kleinere Ausmaße (4,6x5cm) als die sonst üblichen Union-cases. Das Bildnis des Wilhelm Lindemann (Abb. 9) hat dagegen die normalen Ausmaße einer Viertelplatte (8,1×10,8cm). Er heiratete 1866 Caroline Moll, die sich auf Abb. 10 als junges Mädchen mit einem Blümchen in der Hand der Kamera in der damals wohl verbreitetsten Pose präsentiert.

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9 Wilhelm Heinrich Ernst Lindemann 22.10.1831 – 8.3.1909 ca. 1853/55, 12,6 x 15 cm Pannotypie (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Siebel)
10 Caroline Julie Auguste Emilie Moll,∞ Lindemann(1866) 6.4.1841 – 8.3.1910 ca. 1857, 12,6 x 15 cm Ambrotypie (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Siebel)

Beide Porträts sind sehr schöne Beispiele der Fotografie ihrer Zeit, sauber ausgeführt und dazu gut erhalten.
Die Ambrotypien auf Abb. 11 sind in Amerika entstanden.

11 Ehepaar (Bruder des August Thiele), USA je 7,5 x 10 cm Ambrotypie (Medienzentrum Osnabrück,Slg. Backhaus, Osnabrück)

Die frühen fotografischen Verfahren hatten sich dort noch schneller verbreitet als in Europa, auch scheint im Vergleich der technische Standard vielfach höher gewesen zu sein. Bemerkenswert, aber auch leicht erklärbar ist die Tatsache, daß sich in deutschem Familienbesitz sehr viele amerikanische und andersherum in amerikanischem Besitz sehr viele frühe deutsche Photographien befinden. »Der Auswanderer nimmt das letzte Bild seiner Eltern, Geschwister und Verwandten mit in die Neue Welt«, schrieb die »Illustrierte Welt« 1865, »er kommt vielleicht nie wieder zurück in die Heimath, aber die Heimath ist bei ihm in seinen Familienbildern, sie sind seine Hausgötter, die er bekränzt bei jedem Fest«. Nach der Ankunft und möglichst natürlich nach erfolgreicher Etablierung in der Neuen Welt wurden entsprechende Fotos an die Daheimgebliebenen zurückgesandt.

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