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Aus dem Photoalbum – Hochzeitspaare und Hochzeitsbräuche

Hochzeitspaare und Hochzeitsbräuche

»Nun ergingen die Einladungen zur Hochzeit, dieses geschah aber durch einen besonders qualifizierten Mann aus der Nachbarschaft, häufig wurde ein Musikant oder Schneider damit beauftragt. Der Hochzeitslader sagte in jedem Hause, wo er Gäste zu laden hatte, nachstehenden Reim her: Ich komm‘ hierher geschritten und nicht geritten, Um Euch auf einen Ehrentag zu bitten. Ich komm‘ jetzt aus einem fremden Land Und bin hier ganz unbekannt; Nun komm‘ ich in ein fremdes Haus, Ich weiß nicht Weg ein oder aus; Da nehm‘ ich meine Kappe in die Hand Und setze meinen Stock an die Wand; Ich bin ausgesandt von Braut und Bräutigam, Von Koch und Spielmann … Er wurde alsdann bewirthet und um seinen Stock ein buntes Band gebunden, wodurch der Hochzeitsbitter sich legitimieren konnte, daß er seinen Auftrag vollführt hatte. Waren viele Gäste zu laden, so bekam der Stock ein sehr buntes Allerlei, (…). Unterdeß mußte die Braut und ihre Familie alle Hände rühren, um den Brautstaat fertig zu stellen. Alles was die Braut seit Jahren gesponnen und gewebt, es lag nun dutzendweise zusammengelegt und mit einem rothen oder blauen Bande umbunden zur Schau da. Kamen doch die Nachbarfrauen und jungen Mädchen, um den Brautstaat, namentlich das „Linnenwerks“ zu besichtigen. (…) Am Sonntage vor der Hochzeit war Bogen- oder Kranzbinden, welches man auch „Kränzebier“ nannte, wobei sich die junge Welt beiderlei Geschlechts aus der Nachbarschaft zusammenfand. Vor dem Hause der Braut und des Bräutigams wurden Bögen gebunden, worin ein Kranz gehängt wurde.(Abb. 254)

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254 Hochzeit auf Hof Meyer, Westerhausen „nach Grünholen und Kranzbinden“, R. Meßmann, Melle, 1914, 8,8 x 14 cm Fotopostkarte (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Kötter, Westerhausen)

 

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255 Brautwagen (Ringsewagen), Bad Laer 1913 (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Hiltermann, Bad Laer)

Auf dem ersten Wagen saß die Braut, wenn sie weit entfernt vom Hofe des Bräutigams wohnte. Auf diesem Wagen waren auch das Spinnrad mit aufgesteckten Flachsrocken, ein Haspel, die Hart- und Schlapbracke, Hechel, das Bett, die Leinenkoffer u.V.m.. Auf dem anderen Wagen waren die Möbeln, das Zinngeschirr und das Feuerhahl, auf dem letzten Wagen Flachs. …« (W. Hardebeck, Hochzeit, in: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde des Hasegaues, 5.Heft 1896, S. 29) Nach dem Aufladen der Brautausstattung holte der Knecht des Brauthofes aus einem Versteck einen speziell angefertigten Besen (in früheren Jahrhunderten wohl auch noch eine Heugabel und einen Dreschflegel). Dieser war aus besonders starkem Holz und die Birkenreiser vom Schmied teils extra mit einem Eisenband gesichert. Hatten die Fuhrleute des Brautwagens dieses Gerät nicht schon vorher gefunden und beiseitegeschafft, so fegte der Knecht damit zunächst den Platz vor dem Herd des Brauthofes und bekam dafür von dem Bräutigam ein Trinkgeld. Daraufhin hatte der Knecht des Bräutigams die schwierige Aufgabe, den Besen zu zerschlagen. Gelang dies nicht, so mußte der Besen unter Spott und Gelächter auf dem Brautwagen mitgenommen werden(Abb. 255) Die Fuhrleute versuchten außerdem in unbewachten Augenblicken, einige leckere Stücke vom Fleischwiemen der Brauteltern, einige Hühner, oder sogar den vorsichtshalber beim Nachbarn untergebrachten Hahn zu erwischen. Diesem wurde eine ordentliche Menge Schnaps eingetrichtert bevor er an einer erhöhten Stelle des Brautwagens festgebunden wurde und durch unentwegtes Krähen das schon recht laute Gewirre zum allgemeinen Vergnügen noch verstärkte. (s.a. H. Westerfeld, Bäuerliche Hochzeiten in altosnabrückischer Zeit, in: Osnabrücker Land 1981, Heimat-Jahrbuch, S.126ff.) Abb. 258 zeigt den Brauch einer Hochzeits-Nachfeier, bei der am Sonntag nach der Hochzeit mit einem Wagen die Nachbarschaft nochmals eingeholt wurde, um dem „Fetten Kauhl“, also dem fetten Kohl, zuzusprechen.

Modern und städtisch präsentiert sich der Hochzeitszug auf Abb. 259.

Die Kinder balgen sich um Süßigkeiten bzw. kleinere Geldstücke. Nur die elegante Braut in der Stadt trug weiß, auf dem Lande heiratete man vorwiegend noch in schwarz. Das Hochzeitsfoto des Amtsvogts von Glandorf (Abb. 256) ist ein ausgesprochen frühes Beispiel für diesen Bildtyp.

256256 Hochzeitsfoto des Amtsvogts Ferdinand Nieberg und der 30 Jahre jüngeren Regina Riese 1864, 12,5 x 16 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg.Riese, Füchtdorf)
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257 Hochzeitsfoto, H. Brinkmann, 1890/95, 10,5 x 16,5 cm col. Cabinetkarte (Medienzentrum Osnabrück)

Die Brautpaarfotos in Kranz und Schleier werden eigentlich erst in den 90er Jahren üblich. In den Jahren bis ca. 1920 waren in Stadt und Land die unterschiedlichsten Kombinationen von Myrtenkranz und Schleier möglich.

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258 „Fette Kauhl bei Glüsenkamps Hochzeit“, Bad Essen, W. Wegmann(?), vor 1900, 16 x 21,5 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg.Heimatverin, Bad Essen)

 

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259 „Hochzeitszug Carl Beucke (am Bach) mit Gustl (Auguste) Fuchs“, Dissen 1922, 12,1 x 17 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg.Heimantverein Dissen)

 

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