Aus dem Photoalbum – A.H. Heckmann, »Portrait-Maler & Photograph«

A.H. Heckmann, »Portrait-Maler & Photograph«

Elf Jahre nachdem dem Franzosen Daguerre das erste brauchbare Lichtbild gelungen war, richtete 1850 der Rustmeister im Kronprinz-Dragoner-Regiment Heinrich Häberlin zusammen mit Louis Müller, einem Portraitmaler und Wander-Daguerreotypisten aus Hannover, das erste dauerhafte Photoatelier in Osnabrück ein (Osnabrücker Öffentliche Anzeigen, 28. Sept.1850).

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Genutzt wurde zunächst ihre Wohnung in der Dielingerstraße 39, nach nur einem Monat zogen sie jedoch in das Hinterhaus an der Kampstraße 26. Während Louis Müller nach zwei Jahren als Wanderphotograph weiterzog, blieb Häberlin in Osnabrück und lebte weiterhin »von seiner Gage und der Anfertigung von Daguerreotyp-Bildern«, wie es in der Beeidigung zu seinem Antrag auf das Osnabrücker Bürgerrecht vom März 1851 heißt. 1854 zog er erneut um und arbeitet jetzt »in einem eigens hierzu erbauten und erwärmten Glaspavillon« in der Johannisstraße 68 (Osnabrücker Öffentliche Anzeigen, 28.11.1854). Ab 1856 firmierte er dann offiziell unter der Berufsbezeichnung »Photograph«. Bereits am 24. März 1861 starb er, 46jährig an »Auszehrung« (Nds. Staatsarchiv Osnabrück, Dep 3b, XVIII, Nr.44). Anzunehmen ist, daß auch er das Schicksal vieler Daguerrotypisten erlitt und sich unwissentlich mit den bei der Daguerreotypie-Entwicklung benutzten Quecksilberdämpfen vergiftete. Lichtbilder von diesem ersten Osnabrücker Fotopionier sind nicht erhalten. Das Atelier übernahm noch im gleichen Jahr der Porträtmaler Adam Heinrich Heckmann und führte es als »Portrait-Maler, Zeichnenlehrer und Photograph« weiter. Er war 1814 in Uphausen bei Bissendorf geboren worden und hatte zuletzt als Maler in Münster gearbeitet. Ob er in Münster auch das Photographieren erlernt hatte oder, wie an anderer Stelle berichtet, beim »Universitätsprofessor Schmauhs in Jena« (Neue Tagespost, 8.6.1950), ist (noch) ungeklärt. Fest steht allerdings, daß sein Geschäft florierte. 1862 heiratete sein Vetter Johann Friedrich Brinkmann in das Geschäft ein, und dieser wird es wohl auch gewesen sein, der bei der Aufnahme des Hauses Johannisstraße 68 (Abb. 269) auf den Auslöser gedrückt hat.

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269a Adam Heinrich Heckmann und Frau Maria Franziska Josephine, verw. Fröndhoff, geb. Brockmann, 1870 – 75, Detail aus dem Bild 269 (Medienzentrum Osnabrück, Slg.
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269 Haus Johannisstraße 68, J.F. Brinkmann, 1870 – 75, 17 x 21 cm (Medienzentrum Osnabrück)

 

A.H.Heckmann selbst lehnt mit seiner Frau aus dem Fenster des ersten Stockwerks (Abb. 269a), und aus der Eingangstür, die zugleich als Schaukasten fungierte, schaut ein junger Mann, bei dem es sich höchstwahrscheinlich um den späteren Altmeister Heinrich Brinkmann handelt, der das Geschäft ab 1887 weiterführte. Beschriftet ist der alte Originalabzug auf der Rückseite allerdings mit »A.H.Heckmann, Osnabrück«.

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270 – 272 Visitkartenrückseiten, um 1865, um 1875, um 1885, je 6,3 x 10,2 cm (Medienzentrum Osnabrück)

Wie viele seiner Zeitgenossen begegnete auch der Bildnismaler Heckmann der neuen Konkurrenz, indem er sich die Fotografie zu eigen machte. So konnte er seine Kunden ganz nach Wunsch malen oder fotografieren, und daß er auch das erstere sehr gut beherrschte, zeigen die wenigen noch vorhandenen Gemälde von seiner Hand. Sowohl das Selbstbildnis (Abb. 275) als auch das Bildnis seiner Mutter (Abb. 274) werden um die Jahrhundertmitte entstanden sein, also vor seiner Osnabrücker Zeit

.Im Rückgriff auf eher klassizistische Stilmittel konzentrieren sich die Bildnisse ganz auf die Gesichter, deren äußere Erscheinung gleichsam das Wesen, die innere Wahrheit spiegeln sollen. Die Personen sind in regloser Haltung in knappem Brustausschnitt vor dunklem Hintergrund wiedergegeben. Heckmann war sich der Eigenarten der beiden Abbildungsmöglichkeiten völlig bewußt. Ein Porträt in Öl versetzte den Dargestellten in die Ewigkeit der Kunst, außerhalb der Zeit; Fotos dagegen hielten Augenblicke fest. Das Öl-Porträt zeigt die Mutter ländlich, sonntäglich mit Trachtenhaube, Schultertuch und dunkler Spitzenschleife geschmückt. Die Eltern des Künstlers waren zunächst Heuerleute, später Neubauern gewesen. Das Gesicht ist zwar alt, aber faltenlos glatt, und damit im obigen Sinne zeitlos wiedergegeben. Die physiognomischen Eigenheiten scheinen sorgfältig herausgearbeitet (s. Nase und Stirn), obwohl im Vergleich zum Foto die Nase der Mutter im Öl-Bildnis etwas geschönt ist. Die Greisin im hohen Lehnstuhl (Abb. 273), mit dem Spinnrad vor der Atelierbalustrade sitzend, ist dagegen in Haltung und Umgebung nur wenig glaubhaft aber hübsch pittoresk wiedergegeben. Der helle, wache Blick aus dem Bild ist durch die fotografische Pose ersetzt.

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273 Vistiportrait der Mutter des A. H. Heckmann, A. H. Heckmann, 6,3 x 10,2 cm Visitkarte, Albuminpapier (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Weichsler, Holte)
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274 Portrait der Mutter des A. H. Heckmann, A. H. Heckmann, ÖL/Lw., 38,7 x 46,5 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Weichsler, Holte)

 

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275 Selbstbildnis Adam Heinrich Heckmann, Öl/Lw., 38,7 x 46,5 cm (Medienzentrum Osnabrück, Slg. Hans Weichsler, Bissendorf)

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